Bericht der Rheinischen Post vom 13. Mai 2013

 

Sänger begeistern mit Ernstem und Besinnlichem
Der Arnold-Chor und sein Gastchor "pichorbello" begeisterten Freitagabend im Kempener Kolpinghaus.

VON GERT HOLTMEYER
KEMPEN Viel Freude bereitete der Arnold-Chor seinen Zuhörern im Kolpinghaus mit einem Konzert, das er gemeinsam mit einem Gastchor aus dem baden-württembergischen Ernsbach gestaltete. Der Chor „pichorbello" wurde vor 118 Jahren gegründet und ist nach wie vor Werkschor einer Schraubenfabrik. Die Gastsänger waren vor fünf fahren schon einmal im Kolpinghaus. Sie kamen dabei glänzend an.
Beide Chöre, der Kempener Arnold-Chor und der Ernsbacher Chor „pichorbello", sind ganz unterschiedlich konzipiert. Der Arnold-Chor, einst ebenfalls als Werkschor gegründet, pflegt die Tradition der Männerchöre und ihres Repertoires, „pichorbello" bringt rhythmische Effekte ins Spiel, setzt auf Synkopen und legt Wert auf Bühnenpräsenz. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, beide in einem Konzert gegenüberzustellen, schafft Abwechslung.
Den Anfang übernahm der Arnold-Chor mit Anton Brückners „Trösterin Musik". Die älteren Chormitglieder, von denen an diesem Abend drei für ihre lange Mitgliedschaft geehrt wurden, waren schon dabei, als dieses Werk 1962 in St Florian in der Steiermark gesungen wurde. Auch menschliche Grundbedürfnisse wurden besungen wie der Durst („Ich weiß ein Fass in einem tiefen Keller"), die Bewegungsfreude (Sonnenwalzer) und die Freizeit („'s ist Feierabend"). Chorleiter Stefan Thomas hatte alles gut einstudiert und bewährte sich, mal vom Klavier aus und mal als Dirigent der A-cappella-Beitrage, als sicherer musikalischer Chef.
Afrikanisch, mit einem in Kisuaheli vorgetragenen Vater unser begann pichorbello. Ernste und besinnliche Lieder, die auch schon auf Kirchentagen gesungen wurden, kamen ebenso zum Vortrag wie heiter-parodistische Stücke, Musical-Melodien und Titel von Michael Jackson. Mehrere Titel wurden in Englisch gesungen. Darüber wurde aber nicht die Muttersprache vernachlässigt. „Kuckuck, ich hab' ein Ufo gesehen" wurde in Schwäbisch vorgetragen - auch wenn nach den Worten von Chorleiter Uli Dachtler die Ernsbacher weniger Schwaben als vielmehr Franken sind. Dachtler, ein souveräner Chorleiter und obendrein noch ein gewitzter Moderator, hatte eine Begründung fürs Schwäbische parat: „Unsere Landeshauptstadt ist schwäbisch."
Der gemischte Chor pichorbello verfügt über viele sichere Sängerinnen und Sänger, was auch bei den solistischen Beiträgen einzelner Chormitglieder deutlich wurde. Da der Kempener Gastgeber für das „Barcelona"-Lied das Honorar für die katalanische Sängerin Montserrat Caballé nicht hätte bezahlen wollen, scherzte Dachtler, müsse eben eine eigene Chorsängerin ran. Nimmt man den Vergleich nicht allzu wörtlich, sang diese ihre Soli ganz ausgezeichnet.
Mit dem begeisterten Beifall im Ohr darf pichorbello zufrieden die Heimreise antreten. Für den Abschluss hatten beide Chöre noch einen gemeinsamen Titel vorbereitet: „Die Rose" von Amanda Mc Broom.

 

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