Ein "Wunschkonzert" vom Feinsten

Quelle: Rheinische Post 13. Juni 2017

Ein "Wunschkonzert" vom Feinsten

Stadt Kempen.    Der Kempener Arnold-Chor bot in der Kirche Christ-König im Hagelkreuz eine beeindruckende Probe seines Könnens. Beim Konzert mit dabei war das Collegium Instrumentale Kempen.       Von Hans Kaiser


In der voll besetzten Kirche Christ-König im Hagelkreuz präsentierte der Kempener Arnold-Chor sein Konzert.               FOTO: Prümen


Es war ein "Wunschkonzert" vom Feinsten: In der Kirche Christ-König im Hagelkreuz lieferte der Arnold-Chor Kempen, mit 51 Sängern einer der größten Männerchöre am Niederrhein, unter der Gesamtleitung von Stefan Thomas eine beeindruckende Probe seines Könnens. In perfektem Zusammenwirken mit dem Collegium Instrumentale Kempen unter Bernd Erich Brinkmann, mit Ex-Kantor Theo Dahmen am Klavier, mit Dr. Herbert Holtemeyer am Saxophon und Brinkmann an der Solo-Violine erklangen bekannte und beliebte Melodien: Evergreens und Gassenhauer, Opernchöre und ewig-junge Weisen, so dass die Zuhörer immer wieder ins Mitsingen kamen. Kurz: In der Kirche am Concordienplatz, die fast bis auf den letzten Platz gefüllt war, herrschte eine fröhlich-angeregte Stimmung, beflügelt durch die gekonnte Moderation von Berthold Jüttemann.

Sie sehen gut aus in ihren weißen Smokings, die Arnold-Sänger, und Werner Beckers, ihr Vorsitzender seit 45 Jahren, spricht in ihrem Namen eine launige Begrüßung. Worauf Jüttemann den ersten Liederblock ankündigt: Evergreens der 1920- bis 40er Jahre. "Was eine Frau im Frühling träumt", erklingt da, und "Warte, warte nur ein Weilchen" von Vater und Sohn Kollo, und das wird so mitreißend vorgetragen, dass die ersten Zuhörer schon mit summen. Ein Gassenhauer-Potpourri folgt, aus der Operette "Maske in Blau" des Österreichers Fred Raymond (1900-1954). Zart, fast liebevoll intoniert der Chor "Schau einer schönen Frau nie zu tief in die Augen", demonstriert sein gutes Stimmpotenzial. Worauf Brinkmann und Holtemeyer mit dem Collegium im Stil eines Salonorchesters zwei amerikanische Ohrwürmer bringen: Das 1931 entstandene "All of me", von Interpreten wie Count Basie zum Jazz-Standard erhoben, und das "Lockenköpfchen" ("Curly") des Deutsch-Amerikaners W. C. Powell, von Künstlern wie Louis Armstrong weltbekannt gemacht.

"Ich finde hier die Melodien, die ich mag", zieht in der Pause Kempens Bridgeclub-Vorsitzender Piet van der Eijk eine erste Bilanz, und die wird sich in der zweiten Hälfte noch steigern. Da fährt der Arnold-Chor Bravourstücke aus der Opernwelt auf, teils in deutsch, teils auf italienisch, aber die gute Akzentuierung macht jedes Wort verständlich. Da ertönt eine Rigoletto-Fantasie - eine Zusammenstellung der markantesten Arien aus der berühmten Oper. Da wird der Chor der Kreuzfahrer aus Verdis "Die Lombarden" virtuos rübergebracht. Bravo-Rufe hallen durch die Kirche, und: "Besser singt der Chor der Wiener Staatsoper auch nicht!", lobt Opern-Liebhaber Achim Schweiger aus Krefeld. Auch A-capella-Lieder wie "Santa Lucia" werden musikalisch gekonnt und stimmlich gut artikuliert vorgetragen. Immerjunge Oldies bilden das Finale. Das Lied der Berge, "La Montanara", ruft die ersten Tränen der Rührung hervor, Standing Ovations folgen, und die Zugabe, der Freiheitschor aus Nabucco, endet in lautem Jubel. Fazit: Ein Chor, der nicht nur mit der Kehle singt, sondern auch mit dem Herzen. Und dessen fachliche Palette die moderne Musikgeschichte von der Klassik bis zum Jazz professionell abdeckt.

Quelle: Rheinische Post 13. Juni 2017